Das TAK! – Die Zeltlager-Tagesaktion

Air GER macht Ärger

„Da können wir Männer-Toiletten raus machen“, „Ja, da kommt der Wasseranschluss hin. Da müssen wir nochmal den Plan erneuern.“ So oder so ähnliche Stimmen waren den Tag über auf dem Zeltplatz zu hören. Die Firma Air GER hat den Platz an der Hollager Mühle gekauft, weil hier in der Nähe ein neues Industriegebiet entstehen soll. Passend dazu müssen die infrastrukturellen Anbindungen verbessert werden, der Grund für den Bau eines neuen Flughafens. Laut der Firma sei der Zeltplatz an der Hollager Mühle der perfekte Standort dafür.

Morgen würden die Arbeiten beginnen, die Zelte müssten deswegen natürlich heute noch weg. Die Lagerleitung zeigte sich schockiert. Und als selbst Diskutieren mit den Managern nichts brachte, rief Niklas Niedermeier seine Freunde von früher an, in der Hoffnung, dass es sich bei ihnen um die letzte Rettung für das Zeltlager handelt. Diese  entpuppten sich als Umwelt-Aktivisten und Demonstranten. Bewaffnet mit Demo-Plakaten, Ukulelen und Peace-Zeichen wollen sie den Teilnehmern helfen das Zeltlager zu retten.  Man hört sie schon von weitem mit ihren Trillerpfeifen und Demo-Rufen wie: „Attacke, Attacke, Fliegen ist kacke!“. Als die Gruppe von bunt gekleideten Hippies das Tageszelt betrat, war es definitiv ein Gänsehautmoment. Alle Teilnehmer waren fasziniert und verfolgten gebannt den Demonstrationszug. Eine Einheit aus weiten Hosen, geflochtenen Haaren und Plakaten, die jubelnd und rufend die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich zogen. Von der ersten Sekunde an war klar, sie können helfen. Auch die Kinder waren Feuer und Flamme und stimmten direkt in laute „Zeltlager Ja! Flughafen Nein!“-Rufe mit ein.

Was nun folgte, war ein wahrhaft spannender Tag im Zeltlager. Das lag nicht nur daran, dass die Teilnehmer beider Lager zusammen am Programm teilnahmen, sondern auch an der tollen Stimmung, die den Tag über herrschte.

Als nächsten Schritt wurden die Kinder in bunt gemischte Gruppen eingeteilt und bekamen jeweils einen Aktivisten zur Seite gestellt. In der letzten halben Stunde bis zum Mittagessen lernten sie von ihm zum Beispiel das Reimen von Schlachtrufen und das Malen von Demo-Plakaten. Beim Mittagessen wurden diese Rufe und Plakate schon ordentlich zur Schau getragen, um die ebenfalls anwesenden Bauarbeiter einzuschüchtern. Wirklich geholfen hatte das allerdings kaum bis gar nicht. Die Arbeiter verließen das Essen pünktlich, um die ersten Flächen zu „sprengen“ und die ersten Zelte abzumontieren, und das vor den Augen der Teilnehmer.

Das wurde den Aktivisten zu heikel, die Bauarbeiter meinten ihren Plan wirklich ernst und waren dabei, das Zeltlager ab zu bauen. Daraufhin entschieden die Demonstranten, dass die Teilnehmer noch viel mehr Eigenschaften eines guten Aktivisten erlenen sollten. Nur so sei es möglich, am Ende doch noch den Bau des Flughafens zu stoppen.

So waren die Kinder am Ende das Nachmittags nicht nur in der Lage auf Bauarbeiter zu werfen, sondern auch sich vor ihnen zu verstecken oder zu meditieren und das Grüne in der Welt zu finden. Tatsächlich waren diese erarbeiteten Eigenschaften sehr sinnvoll und die Kinder konnten von ihnen am Abend profitieren. Vor ein paar Minuten noch spielten sie in verschiedenen Spielen gegen die Bauarbeiter um den Zeltplatz zu retten und den Bau des Flughafens zu stoppen. Am Ende konnten alle Teile der wichtigen Baupläne auf dem Zeltplatz gefunden und erfolgreich verbrannt werden. Die Bauarbeiter wurden mit schallenden „Ihr könnt nach Hause gehen!“-Gesängen aus der Runde verbannt. Erstaunlicherweise gestanden sie sich ihr Versagen ein und verschwanden ohne Widerworte.

Auf Nachfragen der Lagerzeitung erzählte Lagerleiter Niklas, dass er im Falle einer Schließung des ZeLas am liebsten im Boden versunken wäre und danach schnellst möglich versucht hätte die Zelte auf einer anderen Wiese wieder aufzubauen. Also liebe Eltern, keine Sorge! Falls der Zeltplatz kurzfristig verkauft wird, bauen wir alles auf dem Feld nebenan wieder auf.

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